Skulpturen zum Nibelungenlied



Das Jubiläum 800 Jahre Nibelungenlied wurde mit einem großen „Nibelungenzug“ von Freudenberg am Main bis Worms am Rhein gefeiert. Es war gleichzeitig Auslöser eines im Jahr 2002 außergewöhnlichen künstlerischen Wettbewerbs. Als dessen Ergebnis wurden in der Folge in Städten und Gemeinden entlang der Nibelungen- und Siegfried-Straße Skulpturen, die Szenen oder Figuren des europäischen Sagenschatzes mit dem Schwerpunkt Nibelungenlied zeigen, installiert. Sie wurden sämtlich von dem Künstler Jens Nettlich aus Winningen/Mosel geschaffen - eine in Deutschland sicher einmalige Sache! Die Darstellungen sollen zur weiteren Verbreitung des bedeutendsten kulturhistorischen Epos des Mittelalters im deutschen bzw. europäischen Sprachraum beitragen und den Bezug zur Region zwischen Rhein, Main und Neckar sowie dem Geopark Bergstraße-Odenwald im „Nibelungenland“ herstellen.

Die Standorte der Skulpturen sind: Amorbach – Beerfelden -  Bürstadt – Erbach – Freudenberg – Fürth – Grasellenbach – Hesseneck - Lautertal – Lindenfels – Lorsch – Mossautal – Reichelsheim – Worms

Inzwischen sind alle 14 geplanten Skulpturen installiert worden.

Die Skulpturen zeigen folgende Figuren oder Szenen aus dem „Nibelungenlied“ und der damit in Verbindung stehenden nordischen Sagenwelt. Zum Vergrößern der Bilder bitte darauf klicken!

In Amorbach: „Der Schwur"

Der Streit der Königinnen vor dem Dom zu Worms endete mit der Demütigung von König Gunters Frau Brünhild durch Kriemhild, der Frau von Siegfried. Hagen von Tronje schwor daraufhin gegenüber Brünhild, sie zu rächen und tat dies mit der Ermordung von Siegfried an einer Quelle im Odenwald.

In Beerfelden: „Khan Attila“

Kriemhild, die Königstochter aus Worms, Witwe des von Hagen ermordeten Siegfried, heiratete den Hunnenkönig Etzel ( Attila ). Mit der dadurch gewonnenen Macht konnte sie blutige Rache für den Tod von Siegfried nehmen, die mit einem furchtbaren Gemetzel auf Etzels Burg in Ungarn zum Untergang der Burgunder ( der Nibelungen ) führte.

In Bürstadt: „Das Bad im Drachenblut“

Es ranken sich viele Sagen und Geschichten um den Kampf mit einem Drachen. Am bekanntesten ist neben der Bezwingung des Drachens durch den Heiligen St. Georg der Kampf Siegfrieds mit dem Drachen im „Nibelungenlied“. Das Bad im Blute des Drachens und die dadurch entstehende „hörnerne“ Haut am Körper Siegfrieds machen ihn unverwundbar. Bis auf eine kleine Stelle an der Schulter, auf die ein Lindenblatt fiel ……

In Erbach: „Wodan auf Sleipnir“

Nach germanischer Mythologie ist Wodan ( auch Wotan oder Odin ) der Herr der Götter und Menschen, der Künder höchster Weisheit, Lenker von Kriegsgeschick. Erscheint als einäugiger Wanderer oder braust auf seinem achtbeinigen Pferd „Sleipnir“ durch die Lüfte.

Der Sage nach Begründer eines Heldengeschlechts der Wälsungen, dem auch Siegfried entstammen soll.

In Freudenberg: „Wodan – das Schwert im Baum“  

Nach germanischer Mythologie ist Wodan ( auch Wotan oder Odin ) der Herr der Götter und Menschen, der Künder höchster Weisheit und Lenker von Kriegsgeschick. Erscheint hier als einäugiger Wanderer und stößt sein Schwert "Gram" in einen Apfelbaum. Es ist bestimmt für Sigmund, der es als einziger wieder aus dem Baum herauszuziehen vermag. Im Nibelungenlied wird daraus Siegfrieds Schwert „Balmung“.

In Fürth: „Islands schöne Königin Brünhild“

Auf Island lebende schöne und starke Königin, die vom durch seine Tarnkappe unsichtbaren Siegfried bezwungen wird, um vom Burgunderkönig Gunter als Braut nach Worms gebracht zu werden. In der nordischen Mythologie ist Brunhild eine von Wotan verstoßene Walküre, die in einem Ring aus Feuer – der Waberlohe -  leben muß.

In Grasellenbach: „Siegfried und Hagen“

Hagen von Tronje – ein Edelmann am Hofe der Burgunder in Worms -  ermordet Siegfried an einer Quelle im Odenwald. Er will damit  Königin Brunhild, die Frau seines Herrn und Königs Gunter rächen, die sich durch Siegfrieds Frau Kriemhild maßlos gedemütigt fühlt.

Der Speer trifft Siegfried an dessen einziger verwundbaren Stelle an der Schulter, an welcher das Drachenblut an seinem Körper wegen eines Lindenblattes keinen Schutz bot.

In Hesseneck: „Regin/Mimir“

Regin oder Mimir hat nach der germanischen Mythologie zusammen mit seinem Bruder Fafnir wegen des „Rheingoldes“ den Vater erschlagen, ist zu einem Schmied geworden und hat eine zwergenhafte Gestalt angenommen.  Im „Nibelungenlied“ ist Regin der Schmied, bei welchem der junge Siegfried in die Lehre geht und sein Schwert „Balmung“ schmiedet.

In Lautertal: „Grimmiger Kämpe Hagen“

Hagen von Tronje  - Edelmann und treuer Vasall am Hofe des Burgunderkönigs Gunter in Worms. Eine auch in anderen Sagen vorkommende Gestalt, die im Kampf mit Waltharius von Aquitanien ein Auge verlor. Ermordet im „Nibelungenlied“ Siegfried an einer Quelle im Odenwald und führt die Burgunder an Etzels Hof in Ungarn, wo er durch Kriemhild den Tod findet.

In Lindenfels: „Siegfried und Fafnir“

Im „Nibelungenlied“ wird der Kampf Siegfrieds mit dem Drachen nur kurz geschildert. Durch ein herab fallendes Lindenblatt während seines Bades im Blut des Drachens wird seine Unverwundbarkeit an einer kleinen Stelle des Körpers gemindert, was ihm später zum Verhängnis wird. In der germanischen Mythologie ist der Drache Fafnir ein Wesen, welches durch einen Vatermord aus Geldgier entstand und einen Schatz, das „Rheingold“ bewachte.

In Lorsch:  „Kriemhild erfährt von Siegfrieds Tod“

Auf einem Jagdausflug der Burgunder in den Odenwald wird Siegfried durch Hagen von Tronje an einer Quelle hinterrücks ermordet. Sein Leichnam wird nach Worms gebracht und  vor Kriemhilds Schlafgemach abgelegt, wo sie ihn am nächsten Morgen findet. Die große Trauer um ihren ermordeten Mann verwandelt sich bald in Haß auf den Mörder und seine Mitwisser.

In Mossautal: „Siegfried auf der Jagd“

Siegfried wird im „Nibelungenlied“ als großer Kriegsheld aber auch als vortrefflicher Jäger beschrieben. Bei der Jagd im Odenwald habe Siegfried einen Büffel, einen Elch, ein Wisent, mehrere Auerochsen, ein Wildschein, einen Bären und sogar einen Löwen erlegt. Das half ihm aber nichts – Hagen hatte sich bereits einen Mordplan zurecht gelegt und traf ihn mit seinem Wurfspieß an der einzigen verwundbaren Stelle, als Siegfried aus der Quelle trank. 

In Reichelsheim: „Die Eisenprobe“

Bei Mimir ( auch Regin genannt ) dem Schmied lernt der junge Siegfried das Schmiedehandwerk. Nach der Fertigstellung seines Schwertes „Balmung“ probiert er dessen Kraft aus und zerschlägt den Amboß. In  der germanischen Mythologie ist es das Schwert seines Vaters Siegmund, das, von Wotan mit magischen Kräften ausgestattet, im Kampf zerborsten war und von Siegfried mit Regins Hilfe wieder seine göttliche Kraft erhielt.

In Worms: „Der Streit der Königinnen“

Die beiden Königinnen Brunhild und Kriemhild streiten um das Vorrecht, als erste zum Gottesdienst den Dom zu Worms betreten zu können. Dabei wird Brunhild vor ihrem Gefolge von Kriemhild zutiefst gedemütigt, als diese ihr den Ring und den Gürtel zeigt, die ihr in der Hochzeitsnacht Siegfried abgenommen hatte, der mit seiner unsichtbar machenden Tarnkappe König Gunter half, die starke Brunhild zu bezwingen.

Unser Dank gilt den großzügigen Förderern des Projektes, u.a. dem Land Hessen  und der S Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Weitere Informationen zur Nibelungen-Siegfried-Straße und zur Urlaubsregion sind erhältlich  bei den örtlichen Touristinformationen oder bei der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft „Nibelungen-Siegfriedstraße“, Burgstraße 37, 64678 Lindenfels, Tel. 06255 / 30644. Fax: 06255 / 30645, e-Mail: touristik@lindenfels.de

Lindenfels, Sommer 2005

Peter C. Woitge

Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft Nibelungen-Siegfriedstraße